Bundeskongress "Ganztagsschule - Lebens- und Lernwelten" des GGT. e.V. in Erfurt

Ein Bericht von Gunild Schulz-Gade

„Ganztagsschule - Lebens- und Lernwelten“, unter diesem Leitthema fanden vom 16. bis 18. November über 450 Pädagoginnen und Pädagogen aus Theorie und Praxis sowie Vertreter/innen aus der Schulverwaltung und Bildungspolitik auf dem diesjährigen Bundeskongress des Ganztagsschulverbandes in Erfurt zusammen.

Ein Strom von Besucherinnen und Besuchern, der alle Erwartungen übertraf und rein zahlenmäßig einen bisher nicht erreichten Spitzenwert darstellt.

Schulen, in denen Kinder und Jugendliche sich teilweise bis zu 9 Stunden am Tag aufhalten, haben sich als Lern- und Lebenswelten aufzufassen, müssen anderes und „mehr“ leisten als die traditionellen Halbtagsschulen.
So versteht sich die Ganztagsschule mit ihrem erweiterten Zeitrahmen insgesamt als eine stärker an den Bedürfnissen der Heranwachsenden orientierte Einrichtung, in der nicht nur in veränderter Form gelernt, sondern ihnen in der gebundenen und ungebundenen Freizeit auch ein Ausleben ihrer Neigungen und Interessen und damit ein Stück weit Erfüllung im Augenblick ermöglicht wird.
Sie strebt danach, eine Schule zu sein, „in der es nicht nach Staub, Tinte und Angst riecht, sondern nach Sonne, blondem Holz und Kindheit“ (Rilke).

Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen sich Ganztagsschule zu einer solchen „Lebensschule ganzheitlicher Art“ (Appel) entwickeln kann, diesen Fragen widmeten sich die Hauptvorträge, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven.

So stellte Herr Prof. von Saldern (Universität Lüneburg) in seinem Vortrag „Eigenverantwortliche Schule – eine Chance für die Ganztagsschule?“ einen ausreichenden Freiraum und eine Eigenverantwortlichkeit als notwendige Bedingungen einer solchen Schulentwicklung heraus.

In welcher räumlichen Ausgestaltung ein Schulbau zu einer kindgerechten Lebens- und Lernwelt wird, legte der Referent Kahl in seinem Vortrag „Der Raum ist der dritte Pädagoge - ...“ dar und veranschaulichte das Vorgetragene mit beeindruckenden Bildern und Videos der Münsteraner Wartburgschule.

In dem abschließenden Vortrag „Was gibt’s denn da zu lachen? - Humor als förderliche Lernressource“ verdeutlichte Frau Ullmann die größtenteils unterschätzte Rolle des Humors für das Gelingen eines positiven pädagogischen Verhältnisses zwischen Lehrern und Schülern.

Auch die Workshops boten die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Kongressthemas zu befassen und aktiv auseinander zu setzen. Von den insgesamt 19 Workshops (!) seien hier nur einige ausgewählte genannt:

  • „Rhythmisierung in ganztägig arbeitenden Schulen (Sek. I)“
  • „Freizeitbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen“
  • „Veränderte Lehrerrolle in der ganztägig arbeitenden Grundschule“ 
  • „Projektorientierter Unterricht und selbstorganisiertes Lernen“.

Praxisnahe Einblicke, lehrreiche Erfahrungen und lebendige Anregungen konnten die Teilnehmer/innen auch bei den Schulbesuchen in Erfurt, Milda und in Jena gewinnen.

Der Kongress endete mit der gut besuchten Jahreshauptversammlung des Verbandes, in der die Mitglieder den Ganztagsschulexperten und langjährigen 1. Vorsitzenden des Bundesverbandes Stefan Appel wie auch die beiden zweiten Vorsitzenden Bernd Martens und Rolf Richter im Amt bestätigten. Besonderen Dank sprach der erste Vorsitzende dem seit über 35 Jahren ehrenamtlich für den Verband engagierten Kassenwart Klaus Mosel aus, der in all den Jahren beispielhafte Arbeit geleistet hat und nach wie vor leistet. Nicht minder wurde der Geschäftsführerin Beate Peters für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt.

Autorin: Gunild Schulz-Gade, Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen
Datum: 01.12.2011

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